Inklusive Wording

13. September 2017

Behinderung? Beeinträchtigung? Disability? Sprache bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten um uns auszudrücken und prägt die Welt in der wir leben. Wir von myAbility und Career Moves haben unsere Sprache gefunden. Hier erklären wieso und welche Dos und Don´t für uns existieren.

Sprachliche Dos und Don'ts

Das Wort „Behinderung“ löst immer noch ein komisches Gefühl bei vielen Menschen aus. Ist es wirklich politisch korrekt, dieses Wort zu schreiben oder zu sagen? Wir sagen JA!

Am Beginn der Auseinandersetzung mit dem Thema Behinderung steht auch die Festlegung der richtigen Wortwahl. Worte sind die „Kleidung unserer Gedanken“. Sie drücken manchmal Vorurteile oder dahinterstehende Werthaltungen aus, vermitteln damit negative und positive Eigenschaften.
Welche Worte werden verwendet, um über das Thema Behinderung zu sprechen oder zu schreiben? Die begriffliche Bandbreite ist weit und deren Bedeutungen und Implikationen erschließen sich nicht auf den ersten Blick. Das man „Krüppel“ nicht sagen oder schreiben soll, ist für Jeden verständlich. Was ist jedoch mit dem Begriff „Handicap“? – auf den ersten Blick kein problematisches Wort. Kommt aber von einem alten englischen Spiel und wird heute auch im Englischen nicht mehr für behinderte Menschen verwendet.

Das Wort „Behinderung“ tut nicht weh

Wir von myAbility haben uns entschieden, ganz bewusst das Wort „Behinderung“ zu verwenden. Mit Umschreibungen wie „Handicap“ oder „besondere Bedürfnisse“ wird unserer Ansicht nach das Stigma des Wortes „Behinderung“ reproduziert. Wir sprechen oder schreiben nicht von „der oder die Behinderte“, sondern von „Menschen/Jobsuchenden/MitarbeiterInnen/… mit Behinderung“ oder „behinderte Menschen/Jobsuchende/MitarbeiterInnen/…“
Warum? „Der oder die Behinderte“ ist eine Reduzierung auf den Aspekt der Behinderung. In erster Linie geht es um den Menschen, die Position oder die Rolle, in zweiter Linie die Behinderung. Die Behinderung ist nur eine von vielen Eigenschaften eines Menschen auf die er nicht reduziert werden darf. Die Wendung „behindert sein“ verwenden wir nicht. Wir sprechen von „eine Behinderung haben“. Eine Person ist nicht behindert und hat sich in dieser Wendung auch so zu definieren, sondern hat eine Behinderung. Für Einige mag das alles wie Augenauswischerei klingen – wozu diese Wendungen? Hier geht es unserer Ansicht nach um eine Frage der Selbstdefinition. Sprache ist hier ein Mittel um zu zeigen, dass eine Behinderung nicht das ganze ICH einer Person ausmacht.

DO

Menschen mit Behinderung / behinderte Menschen

Eine Behinderung definiert nicht den ganzen Menschen.

Eine Behinderung haben

Ich bin nicht meine Behinderung, ich habe eine Behinderung.

Beeinträchtigung

Dieses Wort kommt aus den Disability Studies und bezieht sich klar auf die körperlichen Aspekte einer Behinderung. Momentan wird dieses Wort sehr oft verwendet und ist per se nicht falsch. Das Wort Behinderung bringt jedoch auch die soziale Dimension der Behinderung durch außen ein, warum wir das Wort „Behinderung“ bevorzugen.

Disability

Auf den englischen Begriff auszuweichen ist in unserer Arbeit mit Unternehmen oft eine gute Möglichkeit in das Thema zu starten. So sprechen wir in unserer Beratung auch von Disability Recruiting.

Einschränkung

Nicht nur Unternehmen tun sich manchmal sehr schwer mit der Klarheit des Wortes Behinderung, auch die Menschen mit Behinderung haben mitunter Probleme sich hier einzuordnen. „Einschränkung“ verwenden wir in Kontexten wo die Einordnung als „Behinderung“ sich als schwierig erweist. Und auch dann, wo es um ein breiteres Verständnis geht.

DON'T

Der/die Behinderte - behindert sein

Durch diese Wortwahl wird man auf die Behinderung reduziert, als wäre es das einzige, identitätsstiftende Merkmal.

Handicap

Kommt von einem alten englischen Spiel und wird heute auch im Englischen nicht mehr für behinderte Menschen verwendet.

Besondere Bedürfnisse / besondere Fähigkeiten

Das ist unserer Ansicht nach die unpassendste Form der Angst vor dem Begriff „Behinderung“ – wir wollen das Thema Behinderung in die Normalität bewegen und nicht aus der Behinderung zwanghaft etwas „Besonderes“ machen.

Sprache entwickelt sich ständig weiter

Auch unter Menschen mit Behinderung oder Organisationen, zum Thema Behinderung, gibt es zur Wortwahl manchmal unterschiedliche Positionen. Das sieht man auch regional. In Deutschland beispielsweise gibt es das Wort „Schwerbehinderung“, in Österreich ist dies nicht geläufig. Unsere Wortwahl wurde im gemeinsamen Konsens der MitarbeiterInnen, die zum Teil selbst eine Behinderung haben, getroffen.
Das Ziel ist, das selbstbewusste Verständnis von Menschen mit Behinderung auch in der Sprache zu zeigen. Eine Behinderung ist kein Grund sich zu verstecken oder etwas sprachlich schön zu reden. Das Wort "Behinderung" soll kein komisches, ungutes Gefühl auslösen oder den Wunsch einen „schöneren“ Begriff zu verwenden. Die Probleme mit dem Wort „Behinderung“ zeigen das gesellschaftliche Problem, an dem wir von myAbility ansetzen. Eine „Behinderung“ ist nichts das es zu verstecken, zu verschönern gilt. Also keine Angst vor dem Wort "Behinderung"!

Hier haben wir uns Anregungen für diesen Artikel geholt:

leidmedien.de
Inclusive Group
ÖZIV: Bist du behindert? (Manfred Fischer)
ÖZIV: Besondere Bedürfnisse (Manfred Fischer)

Eine wichtige Rolle für eine Weiterentwicklung spielen unserer Ansicht nach Medien zum Thema, hier eine kleine Auswahl:

BIZEPS
VALIDleben
Mabacher.com
Sendung ohne Barrieren
Behinderte Menschen
Leidmedien
MENSCHEN das Magazin
Barrierefreie Medien
Gesellschaftsbilder