Thought Leadership

20,5% der österreichischen Bevölkerung haben eine Behinderung. In Summe sind das über 1,7 Millionen Menschen, die von der Wirtschaft als potentielle ArbeitnehmerInnen und KundInnen nicht beachtet werden.

Barrierefreiheit?

Barrierefreiheit bedeutet, dass Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können. Die meisten Menschen verstehen unter Barrierefreiheit Rampen statt Treppen, breite Türen und absenkbare Busse.
Doch der Begriff ist viel umfassender: auch Gebrauchsgegenstände, Dienstleistungen, Medien, Freizeitangebote und vieles mehr müssen so gestaltet sein, dass sie für alle ohne fremde Hilfe zugänglich sind.

Besonders relevant ist die Frage, wie viele Opportunitätskosten jenen Unternehmen entstehen, die nur mangelhaft barrierefrei sind.

Opportunitätskosten aufgrund fehlender Barrierefreiheit

Die 2014/15 vom Business Disability Forum und der Extra Costs Commission durchgeführte "Walkaway Pound" Studie beschäftigt sich mit dem Umsatzverlust durch fehlende Barrierefreiheit von Unternehmen. 75% der Menschen mit Behinderung, und deren Angehörigen, geben an dass sie Geschäfte verlassen, und Dienstleistungen nicht nutzen, wenn kein Verständnis für Barrierefreiheit gegeben ist. In Großbritannien entspricht dies einem monatlichen Umsatzverlust von 1,8 Billionen Pfund.

Dies betrifft insbesondere:

  • Geschäfte/Supermärkte: 70% der befragten Personen
  • Restaurants, Pubs oder Clubs: Die Hälfte (50%) der befragten Personen
  • Tourismus
  • Onlinehandel

Von Umsatzverlusten aufgrund fehlender Barrierefreiheit sind nicht nur einzelne Unternehmen betroffen - auch gesamtwirtschaftlich sind hier Einbußen festzustellen. So verlegen beispielsweise 3 von 4 UnternehmerInnen mit Behinderung ihre Firmenstandorte, aufgrund fehlender barrierefreier Ressourcen, in andere Wirtschaftsräume.

62 Prozent der gesamten Belegschaft eines Unternehmens wären produktiver, wenn sie in ihrem Bereich ergonomische Arbeitsplätze, Spezialbildschirme etc. nutzen könnten.

Employer Branding

DisAbility Know-How kommt nicht nur MitarbeiterInnen mit Behinderung, sondern allen MitarbeiterInnen entgegen. Flexible Arbeitszeiten, -orte und Anpassungsmöglichkeiten von Aufgabengebieten sind auch wichtig für Menschen mit Betreuungspflichten oder ältere ArbeitnehmerInnen. Sie tragen allgemein zur Attraktivität des Arbeitgebers für alle BewerberInnen bei.

Moderne Arbeitgeber legen Wert auf Diversity, Work-Life-Balance und soziale Verantwortung.

Generation Management

DisAbility Confidence ist eine optimale Vorbereitung auf älter werdende ArbeitnehmerInnen und Generationmanagement. Jedes Jahr erwerben zwei Prozent der Arbeitskräfte eine Behinderung. Eine inklusive Firmenkultur erhöht die Akzeptanz, und somit Bereitschaft assistierende Technologien zu nutzen.

62 Prozent der gesamten Belegschaft eines Unternehmens wären produktiver, wenn sie in ihrem Bereich ergonomische Arbeitsplätze, Spezialbildschirme etc. nutzen könnten.

DisAbility Recruiting

Unternehmen brauchen engagierte, fähige MitarbeiterInnen. Wichtig sind Ausbildung, Kompetenz und Engagement. Mit den meisten Jobausschreibungen läuft man Gefahr, durch die üblichen Anforderungskriterien hochqualifizierte BewerberInnen auszuschließen. Der direkte Fokus auf Menschen mit Behinderung ist somit essenziell, denn ohne Disability Recruiting fällt ein Teil der BewerberInnen einfach weg.

Rechtliche Lage

Am 26. Oktober 2008 ist in Österreich die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung in Kraft getreten. Sie beinhaltet unter anderem das Recht nach Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt. Menschen mit Behinderung sollen die Möglichkeit erhalten, ihren Lebensunterhalt durch Arbeit selbst zu verdienen – und zwar in einem „offenen, für sie zugänglichen Arbeitsmarkt“. – Davon ist Österreich noch weit entfernt.

Um Inklusion von Menschen mit Behinderung (am Arbeitsmarkt) voran zu treiben sind gesetzliche Rahmenbedingungen in vier weiteren Bereichen festgehalten:

  • Artikel 7 der Bundesverfassung
  • Behinderteneinstellungsgesetz
  • Behindertengleichstellungsgesetz
  • Antidiskriminierungs- und Chancengleichheitsgesetze der Bundesländer

Laut Behinderteneinstellungsgesetz (§ 1 Abs. 1) sind alle Dienstgeber, die im Bundesgebiet 25 oder mehr Dienstnehmer beschäftigen, verpflichtet, auf je 25 Dienstnehmer einen begünstigten Behinderten einzustellen. Wenn der Beschäftigungspflicht nicht oder nicht zur Gänze entsprochen wird, hat der Dienstgeber bzw. die Dienstgeberin pro offener Pflichtstelle und Monat eine Ausgleichstaxe zu entrichten.

Wenn ArbeitgeberInnen jedoch begünstigte Menschen mit Behinderung anstellen, gibt es die Möglichkeit von Steuerentlastungen und Förderungen.

Was tun?

Das DisAbility Wirtschaftsforum ist eine Plattform, die unternehmens- und branchenübergreifende DisAbility Confidence aufbaut. Ziel ist eine barrierefreie Wirtschaft.

Mitglieder des Forums erarbeiten gemeinsam mit dem Consulting-Team von myAbility konkrete Maßnahmen, um ihre Unternehmen DisAbility Confident zu machen. Der Fokus liegt auf wirtschaftlichen Vorteilen durch die faire Behandlung von Menschen mit Behinderung.
So entstehen Best Practice Beispiele in denen die Mitglieder des Forums als klare Vorreiter in der Nutzung dieses wirtschaftlichen Potenzials, sowie der Wahrnehmung der sozialen Verantwortung von Unternehmen hervorgehen.