Pressemitteilung: So wird Behinderung zur Chefsache

22. November 2018

Über 15 Prozent der Menschen in Österreich haben eine Behinderung – dennoch sind Top-EntscheiderInnen in Unternehmen oftmals überzeugt, das Thema gehe sie nichts an. Am Round Table des Disability Wirtschaftsforums diskutierten ExpertInnen darüber, wie man das eigene Management davon überzeugt, dass Inklusionsmaßnahmen ein Schlüsselthema für den Unternehmenserfolg sind.

Tipps, um Führungskräfte von Inklusionsmaßnahmen zu überzeugen

Der Herbst schreitet voran, Weihnachten naht – und damit sind viele ManagerInnen bei Budgetüberlegungen und CSR-Maßnahmen angekommen. Der ideale Zeitpunkt, Inklusionsmaßnahmen anzusprechen. „Wie überzeuge ich das Management“ war das Thema des jüngsten ExpertInnen-Round Tables des Disability Wirtschaftsforums, des größten Unternehmensnetzwerks zum Thema Business und Disability in Österreich.
Wolfgang Kowatsch, Co-Gründer von Veranstalter myAbility, sagt: „Es gibt Führungskräfte, die gerne Inklusionsmaßnahmen einführen würden. Oft haben sie einen bestimmten Anlass, weil sie zum Beispiel qualifizierte JobkandidatInnen mit Behinderung kennen oder wissen, dass eine ihrer Fachkräfte eine unsichtbare Behinderung hat und ihr bestimmte Maßnahmen helfen würden, produktiver zu arbeiten. Oder sie ahnen, dass ihnen Umsätze entgehen, weil Menschen mit Behinderung als KundInnen nicht angesprochen werden. Aber sie wissen nicht, wie sie die EntscheidungsträgerInnen an der Spitze überzeugen sollen – und die, wiederum, glauben häufig nicht, dass Behinderung bereits ein Thema in ihrem Unternehmen ist.“

15 Prozent der Menschen haben eine Behinderung und viele MitarbeiterInnen verstecken sie, worunter ihre Produktivität leidet. Das proaktive Einführen von Maßnahmen ist wirtschaftlich sinnvoll, sowohl im Umgang mit MitarbeiterInnen als auch mit KundInnen. Doch diese Argumentation alleine reicht oft nicht aus, um zu überzeugen.

Überzeugen mit Emotionen

Die renommierte Expertin Susan Scott-Parker, CEO von business disability international und Gründerin des Business Disability Forum UK, ließ daher im Rahmen der Diskussion mit Verantwortlichen aus den Bereichen HR, CSR und Disability mit unkonventionellen Tipps aufhorchen.
Fokus solle immer sein, wie das Unternehmen davon profitiert, wenn jedem Menschen der Zugang als MitarbeiterIn oder als KundIn vereinfacht wird. Aber die Führungsriege in den meisten Unternehmen glaube nicht, dass das Thema Behinderung für ihren Erfolg relevant ist. In den Köpfen sei immer noch ausschließlich das Bild des Spezialfalls RollstuhlfahrerIn. Dabei umfasst Behinderung viel mehr – beispielsweise MitarbeiterInnen, die unter Migräneattacken leiden und deren Arbeitsleistung durch die falschen Beleuchtungskörper eingeschränkt ist. Unternehmen, die die ganze Bandbreite von Behinderungen in Betracht ziehen, erhöhen Produktivität und Kundinnenerlebnis.
Viele Führungskräfte haben aber neben dieser engen Betrachtungsweise auch eine starke emotionale Abwehrreaktion bei dem Gedanken an Behinderung.
„Behinderung kann ein zutiefst emotionales Thema sein“, sagte die Expertin. „Mit Statistiken kommt man nur beschränkt weiter. Sie sind gut, wenn es darum geht, Maßnahmen zu untermauern, aber nicht, um Menschen im tiefsten Inneren von der Wichtigkeit des Themas zu überzeugen.

Erwähnen sie höchstens zwei oder drei Statistiken, die die Relevanz für das Unternehmen verdeutlichen, etwa, dass einer von drei Mitarbeitern zwischen 50 und 64 Jahren eine Behinderung erfahren wird. Aber dann machen Sie es persönlich. Nützen Sie jede Möglichkeit, um die EntscheidungsträgerInnen zusammen mit Menschen mit Behinderung an einen Tisch zu bekommen. Wenn ich jemandem mit Behinderung im produktiven Gespräch gegenübersitze, dann wird das Thema wird für mich persönlich und ich kann alte Stereotypen überwinden.
Susan Scott-Parker, CEO von business disability international und Gründerin des Business Disability Forum UK

Ob Praktikumsplätze für junge Talente mit Behinderung, Beratungszirkel oder Mitarbeitergespräche – welche Maßnahme es ist, ist dabei nicht so wichtig.

So erreichen Sie Entscheidungsträger! Weitere Expertentipps:

  • Es gibt kein Argument, dass alle überzeugt! Überlegen Sie für jedes Unternehmen, wie sie dessen Kernherausforderungen ansprechen. Bei Beratungskonzernen könnte das zum Beispiel die Suche nach jungen Talenten sein, im Handel ist es die Vergrößerung der KundInnenbasis, in anderen Unternehmen ist es wieder die Überalterung der Belegschaft. Überlegen Sie, wie Maßnahmen rund um das Thema Behinderung helfen könnten, diese Probleme zu lösen.
  • Die relevanten Statistiken sollten Sie kennen, aber damit nicht ins Haus fallen.
  • Fangen sie mit kleinen Vorschlägen für Maßnahmen an, die nicht viel kosten.
  • Sorgen Sie für "Face-to-Face"-Kontakte Ihrer Top-EntscheiderInnen mit Menschen mit Behinderung, um auf emotionaler Ebene zu überzeugen.
  • Sorgen Sie dafür, dass die Relevanz für den Unternehmenserfolg deutlich wird: setzen sie zum Beispiel Mystery ShopperInnen mit Behinderung ein, die bewerten, wie attraktiv oder wenig attraktiv das Unternehmen für sie ist.

myAbility-Co-Gründer Wolfgang Kowatsch sagt: „Wir merken auch in Österreich, dass bei großen Unternehmen das Interesse am Disability-Thema wächst. Unser Job ist es, dafür zu sorgen, dass jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin das nötige Rüstzeug besitzt, um das eigene Unternehmen davon zu überzeugen, Menschen mit Behinderung als wertvolle Arbeitskräfte und KundInnen zu gewinnen.“

Über das DisAbility Wirtschaftsforum

Das Disability Wirtschaftsforum schafft als größtes B2B-netzwerk zum Thema Wirtschaft und Behinderung in Österreich Disability Confidence. Zahlreiche Unternehmen nutzen den Wissensaustausch, um den Erfolgsfaktor Behinderung wirksam einzusetzen. Das Ziel ist eine barrierefreie Wirtschaft. Gegründet wurde das Netzwerk 2016 von myAbility. Die innovative, soziale Unternehmensberatung hilft Unternehmen, die Potenziale von Menschen mit Behinderung als KundInnen und MitarbeiterInnen zu nutzen. Zu den Referenzkunden gehören unter anderem Rewe und Bank Austria.