Burn-Out und erfolgreiche Prävention – Nachbericht zum Round Table des DisAbility Wirtschaftsforums

31. Oktober 2017

Im Europasaal der Industriellenvereinigung wurden ab 8 Uhr 30 im Kontext von DisAbility Management aktuelle Erkenntnisse über Prävention von Burn-Out und das Erfolgsmodell der Generali Gruppe Österreich vorgestellt.

myAbility lud zum 6. Round Table drei ExpertInnen zum Thema Burn-Out und Prävention ein. Univ. Doz. Dr. Birgit U. Stetina (Vorständin der Psychologischen Universitätsambulanz der Sigmund Freud Privatuniversität, Leiterin der Abteilung Klinische Psychologie) sprach über Warnsignale, Risikogruppen und die Rolle der Führungskräfte in der Burn-Out Prävention. Anschließend wurde das Erfolgsmodell der Generali Gruppe Österreich von Mag. Alexander Handl (HR-Leiter, Generali Gruppe Österreich) und Susanne Kogler (Behindertenvertrauensperson und Wiedereingliederungsmanagerin, Generali Gruppe Österreich) präsentiert und der Business Case diskutiert.

ExpertInneninput: Univ. Doz. Dr. Birgit U. Stetina: Burn-Out und Prävention

Univ.Doz. Dr. Stetina stellte zu Beginn fest, dass „Ausgebrannt sein“ sich durch emotionale Erschöpfung und reduzierter Arbeitsleistung äußert, dies sind auch Merkmale von Depressionen oder Angststörungen.

  • 39% aller ÖsterreicherInnen fühlen sich durch beruflichen Stress beeinträchtigt.
  • Ca. 27% in Österreich sind Burn-Out gefährdet.
  • Seit 2009 sind psychisch bedingte Krankenstände um 184% gestiegen.
  • Mehr als 66.000 Personen sind in Frühpension wegen psychischer Erkrankungen.
  • Unternehmen kosten Burn-Outs pro Fall bis zu 130.000 Euro.
  • Die Präventionskosten betragen jedoch nur 1.500 bis 2.300 pro MitarbeiterIn.

Ein Burn-Out entsteht, wenn der subjektiv empfundene Stress negativ ist. Dadurch entwickeln sich Verlust und Bedrohungsgefühle. Das Gefühl eines eingeschränkten Handlungsspielraums und einer ausweglosen Situation entsteht.
Warnsignale für ein Burn-Out können z.B. sein:

  • Ständiges Grübeln
  • Entscheidungsschwäche
  • Konzentrationsstörungen
  • Gereiztheit/Aggression
  • Übermäßige Angstzustände
  • Drogen- oder Alkoholmissbrauch
  • Ständige Müdigkeit/Schlafstörungen
  • Verändertes Essverhalten
  • Körperliche Beschwerden: Rücken-, Bauch, Kopf- und Magen-Darm-Beschwerden.

Risikogruppen sind unter anderen Menschen in kommunikativen und sozialen Berufen; Manager, Selbstständige und Freiberufler; sowie Frauen. Diese Personen zeigen ein hohes Maß an Engagement, vermischen Berufliches mit Privatem, sind ständig erreichbar und übernehmen sehr viel Verantwortung.

Entwicklungsphasen

  • Idealistische Begeisterung für den Beruf, man möchte sich beweisen, verstärkten Einsatz zeigen und eigene Bedürfnisse werden vernachlässigt.
  • Stillstand und Stagnation, man vermeidet Konflikte, orientiert seine Werte neu und verleugnet Probleme. In dieser Phase kann noch proaktiv von Führungskräften und KollegInnen eingegriffen werden.
  • Frustration äußert sich in Rückzug, verändertem Verhalten, einer negativen Einstellung und einer Reduktion der Arbeitsleistung.
  • Die Phase der Apathie ist von innerer Leere, Depression und völliger Erschöpfung (sich ausgebrannt fühlen) geprägt.
Das was wir tun, wirkt stärker, als das was wir sagen.
Univ. Doz. Dr. Birgit U. Stetina

Tipps zum Umgang von Führungskräften mit Burn-Out

  • Führungskräfte sollen ein Arbeitsklima schaffen, das offen ist, damit Probleme und Sorgen aktiv angesprochen werden können und somit Langzeitkrankenständen entgegengewirkt wird.
  • Führungskräfte nehmen eine Vorbildfunktion ein, daher sollen aufgestellte Regeln auch von diesen befolgt werden.
  • Die Möglichkeiten der MitarbeiterIn zur Entwicklung und Eigenverantwortung soll reflektiert werden.
  • Das Thema Burn-Out muss im Team enttabuisiert werden.
  • Eine Wiedereingliederungsstrategie soll bereits während des Krankenstandes mitbedacht werden.
  • MitarbeiterInnen mit Burn-Out neigen dazu, früher wieder in das Berufsleben einzusteigen: Daher empfiehlt die Expertin den Zeitraum des Krankenstandes zu verlängern.

Best Practice Input: Mag. Alexander Handl und Susanne Kogler (Generali)

Fälle von Alkoholmissbrauch brachten die Generali Gruppe dazu, nicht nur Auswirkungen von Depressionen anzusprechen, sondern effektiv die Auslöser zu suchen. Dafür wurde eine Arbeitsgruppe installiert, welche sich mit dem Thema Burn-Out auseinandersetzte, zwei Broschüren erarbeitete und mit Hilfe von externen ExpertInnen eine Wiedereingliederungsstrategie entwickelte. Wichtig ist der Belegschaft zu kommunizieren, dass Depressionen oder Burn-Out nicht zur Kündigung führen, welche Anlaufstellen es gibt, wie das Krankheitsbild aussieht und welche Warnsignale es gibt.
Eine dieser Broschüren richtet sich gezielt an Führungskräfte. Eine weitere Broschüre wurde für MitarbeiterInnen veröffentlicht und gibt Tipps zur Stressreduktion. Unter diesem Link finden Sie beide Broschüren als Download.

Es gibt nicht viele Burn-Out Fälle, aber jeder Einzelne ist zu viel.
Mag. Alexander Handl

Präventionstrategie der Generali

Die Präventionsstrategie sieht folgende Instanzen vor

  • Führungskräfte oder MitarbeiterInnen wenden sich als erste Anlaufstelle an den Betriebsrat und die Behindertenvertrauensperson.
  • Arbeitsmediziner schließen körperliche Ursachen aus.
  • Anschließend werden diese an eine externe Agentur vermittelt, die rund um die Uhr psychologische Beratung anbietet und bei der Genesung unterstützt.

Durch dieses System wird gewährleistet, dass die Thematik auf eine Sachebene gehoben und kompetente Hilfestellung bereitsteht.
Die Wiedereingliederung erfolgt nach strengen Richtlinien

  • Keine sofortige Vollzeiteinstellung
  • Start in einer neuen Abteilung
  • Flexibles Arbeitszeitenmodell

Das Modell zeigt Wirkung

Durch die Maßnahmen wurden Langzeitkrankheitsstände reduziert und die Burn-Out Thematik enttabuisiert. Die Unternehmenskultur wurde flexibler, MitarbeiterInnen und Führungskräfte wurden sensibilisiert und erste Anlaufstellen wurden kommuniziert.
Mag. Handl und Frau Kogler stellen fest, dass bei der Umsetzung eines Präventionsprogrammes alle Ebenen zusammenarbeiten müssen. Nur so kann der "Business Case" Burn-Out erfolgreich realisiert werden. Die Frage nach der Schuldigkeit ist nicht zweckmäßig, ebenso wenig die Kritik am System. Stress und Überbelastung ist subjektiv. Wichtig ist, dass jedem Mitarbeiter/jeder Mitarbeiterin auf Sachebene und dem Krankheitsbild mit Ernsthaftigkeit begegnet wird.

Ausblick und Information

Der nächste Round Table findet am 20. Februar 2018 ab 15:30 Uhr in Wien im Rahmen der Zero Conference statt.
Unter diesem Link finden Sie die Bilder des 6. Round Table des Disability Wirtschaftsforums auf Facebook.
Unter diesem Link finden Sie beide Broschüren und diesen Nachbericht als Download.

Kontakt und Rückfragen

myAbility Social Enterprise GmbH
Mag. Wolfgang Kowatsch
Mobile: +43 (664) 4142244
wolfgang.kowatsch@myAbility.org