Accessibility ist unsere Zukunft - Nachbericht zum Round Table des myAbility Wirtschaftsforums

27. Februar 2018

Der Österreichsaal bei der A1 Telekom Austria Group war gut gefüllt: 38 UnternehmensverterInnen unterschiedlichster Branchen versammelten sich, um mehr über Barrierefreiheit zu erfahren.

myAbility lud zu diesem Thema 3 (inter)nationale ExpertInnen zur A1 Telekom Austria AG ein. Neil Milliken (UK), Head of Accessibility & Inclusion bei ATOS, Marie-Lena Müller (AUT), Website und Social Media Manager von Pfizer und Christian Keimel (AUT), Technology Solution Professional bei Microsoft Österreich präsentierten neue Entwicklungen, Motivationen und Vorteile zur barrierefreien Gestaltung von Information. So bildet der erste Round Table 2018 einen gelungenen informellen Auftakt der diesjährigen Zero Project Conference.

Keynote Neil Milliken - Accessibility matters (Atos)

Neil Miliken ist Head of Accessibility und Digital Inclusion bei Atos, Experte beim World Wide Web Consortium (HerausgeberInnen der WCAB Standards für barrierefreies Web) und selbst Nutzer assistiver Technologien. Er ist auch Mitbegründer des größten Twitter Chats in Europa zum Thema Accessibility. Hier geht es zum AXSChat auf Twitter.

Die Notwendigkeit von Barrierefreiheit

Jede Person soll, unabhängig ihrer Behinderung, Zugang zu Jobs, Produkten, Webseiten, Services und Informationen haben. Durch intelligentes Design und inklusive User Experience werden Technologien für eine breite Masse nutzbar und inkludieren eine Milliarde Menschen weltweit. Unternehmen erhalten Zugang zu einem Markt der jährlich zwischen 1,3 und 8 Billionen US Dollar umsetzt. Neben gesetzlichen Verpflichtungen und positiven Markenerlebnissen wird auch durch IUX (Inclusive User Experience) auf die westliche Alterung der Bevölkerung reagiert.

Accessibility helps to promote greater independence by enabling people to perform tasks that they were formerly unable to accomplish, or had great difficulty accomplishing, by providing enhancements to or changed methods of interacting with the technology needed to accomplish such tasks.
Neil Milliken

IUX – Accessibility & Inclusive User Experience

Menschen mit Behinderung sind KosumentInnen, MitarbeiterInnen und meist ErstanwenderInnen neuer Technologien. Durch Verwendung von Accessibility Personas kann Barrierefreiheit bereits in der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen mitgedacht werden. Auch Personen im Umfeld (Freunde und Familie) nutzen verstärkt barrierefreie Dienste. Informationen hierzu finden Sie hier.

IUX lässt Produkte und Anwendungen entstehen, die Bedürfnisse aller Menschen abholt:

  • IUX ist kosteneffizient.
  • 10% des Budgets in IUX investieren steigert den Umrechnungssatz auf 83%.
  • Vertrauen in Marke und Unternehmen wird gestärkt.
  • Gesetzlichen und CSR Verpflichtungen werden erfüllt.

Accessibility Maturity Model

Hilfreich für den Einstieg in die IUX ist das Accessibility Maturity Modell.

Zur Reduzierung von Diskriminierung wurde das 5 stufige Modell entwickelt. Den Start bildet die Ausgangssituationen, anschließend wird sich mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen und potenziellen Anwendungen auseinandergesetzt. Das öffentliche Commitment, eine klare Businessstrategie sowie die Budgetierung bildet die dritte Ebene. Die vierte Ebene ist das effektive managen der Accessibility im Web, durch ständiges Monitoring und die Rücksprache mit KollegInnen und der Zielgruppe. Die fünfte Ebene besagt, da

Das Modell wurde erstmals in der IT Branche genutzt und für Accessibility adaptiert. Von ersten informellen Gedanken bis hin zur optimierten Implementierung von Accessibility, werden die Schritte auf allen Hierarchieebenen mitbedacht.

Assistive Technologien

Durch Screenreader, Bildschirmlupen, Spracherkennung, Schriftvergrößerung, etc. erhalten Menschen mit unterschiedlicher Behinderung Zugang zur Gesellschaft, Arbeits- und digitalen Welt. Wobei auch zukünftige Arbeitsweisen durch diese Entwicklung beeinflusst werden. Daher müssen Unternehmenssoftwares umgerüstet werden, um diese Technologien leichter zu implementieren.

W3C Web Content Accessibility Guidelines 2.0

Diese weltweit ersten Handlungsmaßnahmen für barrierefreies Web teilen sich in 4 Kategorien und werden als Qualitätsstandards angesehen.

  • Wahrnehmbarkeit: Informationen und Bestandteile der Benutzerschnittstelle müssen den Benutzern so präsentiert werden, dass diese sie wahrnehmen können.
  • Bedienbarkeit: Bestandteile der Benutzerschnittstelle und Navigation müssen bedienbar und ansteuerbar sein.
  • Verständlichkeit: Bedienung und Aufbau muss logisch, vorhersehbar und verständlich sein.
  • Robustheit: Benutzerschnittstelle und Navigation muss stabil sein, um assistive Technologien und Plug-Ins interpretieren zu können. (Stichwort: Sauberes HTML)

Diese Richtlinien reichen von Level A (26 Erfolgskriterien) über Level AA (13 Erfolgskriterien) bis hin zu Level AAA (23 Erfolgskriterien). Implikationen, wie CAPTCHAS und die doppelte Eingabe von Passwörtern, sind hingegen nicht barrierefrei. Biometrischen Erkennungen bauen Hürden ab.
Genauere Informationen zu den WCAG 2.0 Standards können Sie hier nachlesen.

Good Practice Marie-Lena Müller - Barrierefreies Web (Pfizer)

Pfizer hat das Potenzial von Menschen mit Behinderung als KundInnen und MitarbeiterInnen und die Vorteile eine barrierefreie Informationsweitergabe erkannt. Seit 2008 ist die Seite nach den WCAG 2.0 Standards aufgebaut und erfüllt mit Level AA fast alle der insgesamt 61 Erfolgskriterien. Die WCAG 2.0 Standards umfassen 12 Richtlinien und 4 Prinzipien. Seit 2016 müssen technische Gebrauchsgegenstände und Systeme der Informationsverarbeitung barrierefrei sein, somit erfüllt Pfizer diese gesetzlichen Rahmenbedingungen mit ihrem Webauftritt. Weitere Vorteile eines barrierefreien Webauftritts sieht Pfizer in:

Diversität der NutzerInnen

Durch Accessibility wird die Zielgruppe vergrößert und circa 20% der Bevölkerung erhalten uneingeschränkten Zugriff auf Informationen und Angebote. Auch ältere Menschen erhalten so leichten Zugang.

Usability

Wie nutzerfreundlich ist meine Webseite?

Die Usability ist ein positiver Nebeneffekt der barrierefreien Websites, da diese meist auch sehr nutzerfreundlich sind.
Marie-Lena Müller

Informationen übersichtlich aufschlüsseln und Schriftgrößen, Farben und Gliederung der Webseite vereinfachen, die Navigation und Leserlichkeit der angebotenen Inhalte umfassend gewährleisten - das ist der erste Schritt zur inklusiven User Experience.

Suchmaschinenoptimierung

Durch die Hinterlegung von nicht textbasierten Elementen mit Alt-Texten (alternatives Textangebot), können diese von Suchmaschinen, genauer den Crawlern, gefunden und durchsucht werden. Auch werden Metadaten bereitgestellt, die die Indexierung von Inhalte vereinfacht. Wenn zum Beispiel Inhalte für Screenreader optimiert werden, können auch Crawler diese besser verarbeiten. So wird man höher bei der Suche gerankt. So kann eine barrierefrei aufbereitete Webseite aussehen.

Good Practice Christian Keimel - Accessible Workplace (Microsoft)

Seit den 90er Jahren beschäftigt sich Microsoft mit Accessibility und Inklusion. Die technische Weiterentwicklung hat vieles möglich gemacht. So versteht man heute unter Arbeitsplatz nicht mehr nur den Schreibtisch im Büro, sondern auch Endgeräte in der Hosentasche – unsere Smartphones. Durch diese Revolution hat sich auch die Notwendigkeit des barrierefreien Angebots weiterentwickelt und verändert. 70% aller Behinderungen sind nicht sichtbar. Accessible Software unterstützt nicht nur Menschen mit einer dauerhaften Behinderung, sondern auch mit kurzzeitigen Einschränkungen im täglichen Leben und in der Arbeit.
Ein kleines Portfolio der Apps und Anwendungen von Microsoft wurde zusammenfasst.

Disability Answer Desk

Support für Menschen mit Behinderung für Office und Microsoft Produkte

Enterprise DisAbility Answer Desk

Support für Unternehmen bei accessibility Fragen, Themen wie assistive Technologien

Technologischen Maßnahmen die von Microsoft für inklusiven Arbeitsplatz

Narrator

Betriebssystem und Applikationen können sprachlich beschrieben werden. Mit Spracherkennung und Sprachsteuerung kann das Endgerät bedient werden. Hier finden Sie weitere Informationen.

Keyport Shortcuts

Wenn man Alt Tasten drückt gibt es eine Auflistung aller Short Cuts. Besonders hervorzuheben ist Alt+Q in Microsoft Anwendungen, da dieser zum Tell Me Assistenten führt. BenutzerInnen finden durch ihn schneller die gewünschte Funktion.

Cortana

Ihre digitale Assistentin. Sie hilft Ihnen, Dinge zu erledigen. Je mehr Sie Cortana nutzen, desto besser kann sie Sie mit personalisierter Hilfe unterstützen.

Diktierfunktion

Innerhalb von Office Applikationen können über Spracherkennung Inhalte diktiert werden. Hier geht es zur Erklärung.

Accessibility Checker

Barrierefreie Contenterstellung wird durch dieses Prüfsystem vereinfacht.

Innovationen

  • Eye Control Wenn ein Augenscangerät an einen PC mit Windows 10 angebracht ist, kann durch die Augenbewegung der Computer gesteuert werden. Hier geht es zu weiteren Informationen.
  • Seeing AI Diese Applikation kann als Vorleser fungieren, Dokumente scannen, Situationen und Menschen erkennen. Dabei wird das Geschlecht, Alter und der Gesichtsausdruck erkannt und verbalisiert. Auch Währungen und dessen Werte werden erkannt, Farben beschrieben und die Lichtverhältnisse beschrieben. Hier geht es zu weiteren Informationen.

Durch diese Anwendungen, die meist selbst von Menschen mit Behinderung entwickelt werden, wird die Welt barrierefreier und für alle zugänglich.

Rückfragen & Kontakt

Sie wollen Ihre Webseite barrierefrei gestalten oder wissen, welche Kriterien Sie noch erfüllen müssen? Der myAbility Website Check sichtet Ihre Unternehmensite zuverlässig und umfassend.

Mag. Wolfgang Kowatsch
Mobile: +43 (664) 4142244
wolfgang.kowatsch@myAbility.org
myAbility Social Enterprise GmbH

Sebastian Brettl
Mobile: +43 (660) 865 51 50
Sebastian.brettl@myAbility.org
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