Der Expert Round Table zum Thema DisAbility Recruiting: Inklusive Bewerbungssituationen leicht gemacht

20. November 2019

Nach wie vor sind für Menschen mit Behinderung unbewusste Barrieren im Bewerbungsprozess die größte Hürde zum Job. Der Grund dafür liegt meist nicht an mangelnder Qualifikation der Bewerberinnen und Bewerber, sondern an Unsicherheiten und unbewussten Vorurteilen des Recruitingteams. Ein Expert Round Table des DisAbility Wirtschaftsforums sensibilisierte für mögliche Fallstricke und baute Wissen auf. Dies ermöglicht disAbility confidence in inklusiven Bewerbungssituationen.

Beim letzten Expert Round Table des Jahres diskutierten 30 TeilnehmerInnen zum Thema „DisAbility Recruiting“. In einem interaktiven Setting stellte myAbility zwei Bewerbungssituationen nach, um auf No-Go’s im inklusiven Bewerbungsgespräch hinzuweisen. Im Anschluss teilte das Best-Practice-Unternehmen Takeda in einem Kamingespräch spannende Erfahrungen aus der Praxis.

Sebastian Brettl bei der Begrüßung
(c) myAbility

Was brauchen Sie, um Ihre Arbeit gut machen zu können?

Der Fokus dieser Veranstaltung lag darin, Anforderungen von BewerberInnen mit Behinderung zu erkennen, diese richtig einzuordnen und angemessen darauf zu reagieren. Um den Lerneffekt für die anwesenden RecruiterInnen zu verstärken, wurden zwei zugespitzte, aber realistische Szenarien vorgespielt und anschließend im Plenum diskutiert. Dabei wurden die Reaktionen der InterviewerInnen auf die Situation analysiert, sprachliche No-Go’s aufgedeckt und unpassende Fragen und Statements identifiziert. Fides Raffel, DisAbility Management Consultant bei myAbility, fasste pointiert zusammen:

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie das nicht fragen sollten, dann fragen Sie nicht.
Fides Raffel - myAbiliy

Im Grunde geht es darum, dass RecruiterInnen erkennen, wie BewerberInnen mit ihrer eigenen Behinderung umgehen, um einen Sinn dafür zu entwickeln, wie offen man mit dem/der potenziellen MitarbeiterIn sprechen kann. Die Erfahrungen der ExpertInnen von myAbility zeigen, dass einige Fauxpas immer wieder auftreten:

// Der Behinderung mehr Raum im Gespräch einräumen als der Qualifikation
// Annahmen über die Arbeitsweise zu treffen anstelle nachzufragen
// Übermäßiges Hervorheben des sozialen Engagements des Unternehmens
// Verstärktes Suchen nach Vergleichen zu anderen Behinderungen
// Pauschalannahmen hinsichtlich Eigenschaften und Anforderungen von MitarbeiterInnen mit Behinderung

Im Bewerbungsgespräch selbst sind unpassende Vergleiche zu anderen Behinderungsformen ebenso wenig angebracht, wie das übertriebene Anbieten von Hilfestellungen, obwohl diese nicht benötigt werden. Die beste Frage, die man in einer Bewerbungssituation stellen kann, ist: „Was brauchen Sie, um Ihre Arbeit gut machen zu können?“ Diese Frage hat den Vorteil, dass sie in jedem Interview gestellt werden kann, unabhängig davon, ob eine Behinderung bekannt oder ersichtlich ist.

Ich war sehr begeistert und habe viele wertvolle Inhalte, wie auch Kontakte aus der Veranstaltung mitnehmen können. Die Bewerbungsgespräche waren wirklich toll inszeniert und sehr glaubhaft.
Feedback einer Teilnehmerin

Ängste nehmen und Berührungspunkte schaffen

Im zweiten Teil des Vormittages stellte das Mitgliedsunternehmen des DisAbility Wirtschaftsforums Takeda den Bezug zur Praxis her. In einem Kamingespräch mit Adela Nemcova (Talent Acquisition Partner) und Christian Bugl (Ethics, Compliance & Sustainability) teilte der Pharmakonzern (ehem. Baxter/Shire) die Erfahrungen aus ihren inklusiven Bewerbungssituationen:

Das Bewerbungsgespräch führen RecruiterInnen mit der Führungskraft gemeinsam, daher ist es zentral, bereits im Vorfeld ausreichend Sensibilisierungsarbeit bei den Führungskräften geleistet zu haben – denn die größten Barrieren sind nach wie vor die in den Köpfen.
Adela Nemcova - Takeda

Für diese Sensibilisierung aller MitarbeiterInnen zum Thema Menschen mit Behinderung gründete Takeda die interne Gruppe „Takeda Resource Group EnAbles“. Diese macht das Thema Behinderung mit Veranstaltungen und Aktionen immer wieder sichtbar und weist auf positive Entwicklungen hin. Auch die mehrmalige Teilnahme am myAbility Talent Programm trug dazu bei auf einfache Art und Weise erste Berührungspunkte zwischen Führungskräften und Talents zu schaffen und so eine inklusive Unternehmenskultur zu fördern.

Foto des Publikums bei der Diskussion, Foto des Kamingespräches

Es gibt mehr Lösungen als man sich vorstellen kann

Gerade in einem produzierenden Pharmabetrieb mit höchsten Sicherheits- und Hygieneauflagen würde oft angenommen, dass MitarbeiterInnen mit Behinderung ein Sicherheitsrisiko darstellen, so Christian Bugl. Oft sei das Gegenteil der Fall, da MitarbeiterInnen mit Behinderung bessere Lösungen in den Betrieb mitbringen als man sich vorstellen kann. Konkret referenzierte der Sicherheitsbeauftragte auf eine vibrierende Armbanduhr einer gehörlosen Kollegin, die bei einem Alarm schneller Rückmeldung über die Gefahrenlage gibt, als die zahlreichen akustischen Signale, die inflationär und zu vielseitig in einem Produktionsbetrieb verwendet würden.

Durch andere Anforderungen wird auch die Kreativität gefördert und es gibt mehr und kreativere Lösungen. Dadurch profitieren alle.
Christian Bugl - Takeda

Hier finden Sie die DisAbility Recruiting Lösungen von myAbility:

// Inklusive Online-Jobplattform für Menschen mit Behinderung myAbility.jobs
// Karrieretipps für Menschen mit Behinderung karriere.myAbility.jobs

Mit herzlichen Dank an unsere Partnerunternehmen:

Logos der UniCredit Bank Austrai, REWE, PWC, Verbund

Besonderer Dank gilt den ExpertInnen dieses Expert Round Table von:

Logo Takeda