Recruiting and Leadership - Nachbericht zum Round Table des DisAbility Wirtschaftsforums

27. Februar 2017

Der Veranstaltungssaal des UN Conference Centers war gut gefüllt: 30 TeilnehmerInnen aus unterschiedlichen Branchen tauschten sich über ihre Praxiserfahrungen, Leadership und Recruiting Strategien aus.

Mit dem Schwerpunkt auf Recruiting und Leadership bot der Round Table des DisAbility Wirtschaftsforums einen optimalen Start in die diesjährige Zero Project Conference. Inputs dazu gab es von nationalen und internationalen ExpertInnen; Pat Romzek (Vice President of Worldwide Sales Cloud Strategy and Operations, Cisco USA), Julian Hadschieff (Vorstandsvorsitzender PremiQaMed), Lydia Hess (Recruitment Professional, IBM Österreich) und Michael Weber (DisAbility Talent).

Experteninput 1: Pat Romzek (Vice President of Worldwide Sales Cloud Strategy and Operations, Cisco USA)

Das Telekommunikationsunternehmen Cisco setzt auf MitarbeiterInnen mit Behinderung. Viele Unternehmen lagern ihre Service-Hotlines in andere Länder aus, so betreibt auch Cisco Hotlines in Bangladesch. Dort arbeiten viele hochqualifizierte blinde ArbeitnehmerInnen und überzeugen durch ihre Leistungen.

Um die Zielgruppe der Jobsuchenden mit Behinderung anzusprechen und ihnen die Möglichkeit zu geben ihr Potential zu entfalten, setzt Cisco folgende Maßnahmen:

  • Modernste Technik im Bereich Business Technology: Virtuelle Büros, Video-konferenzen und Teamarbeit-Software
  • Technische Hilfsmittel (wie etwa Bildschirmvergrößerung)
  • Flexibilität bezüglich Arbeitsplatz und Arbeitsort
  • Abschaffung von physischen Barrieren auf Arbeitswegen und vor Ort
  • Digitale Wissensweitergabe im Unternehmen

Die Umsetzung der Maßnahmen war ein großer Erfolg. Das Recruiting von Menschen mit Behinderung hat sich nicht nur als gut für die Gesellschaft, sondern auch als sehr gut für das Unternehmen herausgestellt:

  • 220% Produktivitätssteigerungen in diversen Teams: höhere Loyalität, Geringere Fluktuation und weniger Krankenstände/Abwesenheit. Außerdem haben die Teams eine verbesserte Arbeitskräftemischung und vielfältigere Fähigkeiten.
  • Steuerliche Anreize und finanzielle Vorteile in vielen Ländern.
  • Verbessertes Markenpotential: Cisco als Branchenführer, gesellschaftliches Leadership, verbessertes Geschäftspotential und erhöhte Kundenbindung.
  • DisAbility Recruiting hat hohes globales Potential, fähige MitarbeiterInnen zu erkennen und zu fördern.

Als Basis für erfolgreiches DisAbility Recruiting braucht es laut Pat Romzek und Cisco Folgendes:

  • Ein Netzwerk aus Partnern, die sich aktiv dazu entscheiden, das Thema in den Fokus zu stellen und damit Chancen zu schaffen.
  • Starke Führungskräfte, die ein internes Änderungsmanagement anstoßen.
  • Eine klare Strategie im Bereich Human Resources, Ressourcen und eine Begleitung des Prozesses.
  • Versteckte Talente zu einem frühen Zeitpunkt ihrer Karriere zu erreichen. Studienabgänger und Young Professionals eignen sich gut für Praktika und interne Talent Programme.
Das Einstellen von Menschen mit Behinderung ist kein Charity Projekt – sondern einfach gut für das Geschäft.
(Vice President of Worldwide Sales Cloud Strategy and Operations, Cisco USA)

Experteninput 2: Julian Hadschieff (Vorstandsvorsitzender PremiQaMed)

Vor 25 Jahren gründete Julian Hadschieff PremiQaMed, ein Betreiber privater Gesundheitsunternehmen mit mittlerweile 1.800 MitarbeiterInnen. Durch Fügung, Talent und Ehrgeiz hat er selber viel erreicht und ist davon überzeugt das Menschen mit Behinderung sehr leistungsfähig sein können.

Eine wichtige Rolle sieht der österreichische Unternehmer mit Sehbehinderung bei RecruiterInnen. Diese haben die Möglichkeit, jungen Menschen Chancen und Ziele zu geben. Im Vordergrund dafür steht nicht nur der soziale Gedanke, sondern der Glaube, dass Menschen mit Behinderung LeistungsträgerInnen sein können.

In meiner Berufskarriere bin ich immer wieder auf Menschen gestoßen, die Vertrauen in mich hatten.
Julian Hadschieff (Vorstandsvorsitzender PremiQaMed)

Expertinneninput 3: Lydia Hess (Recruitment Professional, IBM Österreich)

Diversity ist seit einigen Jahren ein wichtiger Schwerpunkt bei IBM. Bereits 1914 hat das Unternehmen den ersten Mitarbeiter mit Behinderung eingestellt und die Anzahl strategisch fortwährend weiter ausgebaut. Mit der Teilnahme am DisAbility Talent Programm wurden 2016 weitere neue innovative Schritte gesetzt, um Studierende und Young Professionals für das Unternehmen zu interessieren.

Wir als IBM stehen für Diversity - nicht nur seit einigen Jahren, sondern schon seit Beginn unserer Historie.
Lydia Hess (Recruitment Professional, IBM Österreich)

Experteninput 4: Michael Weber (DisAbility Talent)

Das DisAbility Talent Michael Weber erlaubte Einblick in die Überlegungen eines hochqualifizierten Studienabgängers mit Behinderung. Die größten Hürden im Bewerbungsprozess sieht er in schriftlichen Aufnahmetests, Massencastings und in der Vorauswahl durch Recruiting Dienstleister. Ob Unternehmen für BewerberInnen mit Behinderung interessant sind, hängt davon ab, wie sie ihre Offenheit für Menschen mit Behinderung kommunizieren. Um Unsicherheiten zu beseitigen, empfiehlt er Phrasen wie „BewerberInnen mit Behinderung ausdrücklich erwünscht“ oder „BewerberInnen mit Behinderung werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt“.

Ich bewerbe mich nur um einen Job, den ich hundertprozentig ausüben kann!
Michael Weber (DisAbility Talent)

Ausblick und Information

Der nächste Round Table findet am 01. Juni 2017 ab 14:00 im Rahmen des großen Jahresevents in Wien statt.

Rückfragen & Kontakt

myAbility Social Enterprise GmbH
Mag. Wolfgang Kowatsch
wolfgang.kowatsch@myAbility.org