So testen Sie die Barrierefreiheit Ihrer Website

19. Mai 2021

Trotz technologischer Entwicklungen ist umfassende Barrierefreiheit im Web noch immer keine Selbstverständlichkeit. Testen Sie Ihre Web Accessibility und verschaffen Sie sich einen schnellen Überblick zum Thema. 

Ein umfangreiches Testing der Barrierefreiheit von Webinhalten sollte immer in der Zusammenarbeit von ExpertInnen für Accessibility sowie von ExpertInnen mit Behinderungen durchgeführt werden. Nur dadurch kann sichergestellt werden, dass alle Anforderungen erfüllt werden und Webinhalte für die Nutzung mit assistierender Technologie optimiert sind. Doch auch ohne einen umfassenden myAbility WebCheck können Sie sich die Barrierefreiheit Ihrer Website eigenständig ansehen und einen Einblick in den Grad der Barrierefreiheit und etwaige Handlungsfelder bekommen.

Tools für automatisiertes Testing - So verschaffen Sie sich einen Überblick

Es gibt eine breite Palette an Tools mit denen Sie die Accessibility Ihrer Website automatisiert testen können. Diese können zwar keine vollumfassende Barrierefreiheitsprüfung gewährleisten, ermöglichen jedoch einen schnellen Einblick in die Barrierefreiheit einer Website.

Wir empfehlen hierfür beispielsweise das WAVE Evaluation Tool von webaim. Aufgrund der BenutzerInnenfreundlichkeit und der übersichtlichen Ergebnisdarstellung ist es das niederschwelligste der angebotenen Tools in diesem Bereich.

Tastatur mit Accessibility Symbolen

QuickCheck der Barrierefreiheit anhand der WCAG Prinzipien

Die Web Content Accessibility Guidelines (kurz: WCAG) sind ein internationaler Standard zur barrierefreien Gestaltung von Internetangeboten. Sie dienen als Grundlage für gesetzliche Vorgaben sowohl in der EU als auch weltweit. Die vier Prinzipien Wahrnehmbar, Bedienbar, Verständlich und Robust bieten die Basis der 13 Richtlinien und 78 Erfolgskriterien für barrierefreie Webinhalte. So verschaffen Sie sich einen Überblick:

1. Wahrnehmbarkeit

Alle Informationen und Bestandteile einer Webseite müssen so gestaltet sein, dass diese auch bei Nutzung von assistierender Technologie (z.B. Screenreader oder Kontrastprogramme) zugänglich und wahrnehmbar sind. Um dies zu testen, können Sie sich folgende Elemente genauer ansehen:

  • Haben alle Nicht-Textinhalte wie Bilder, Grafiken und sonstige Objekte eine aussagekräftige und gleichwertige Textalternative?
  • Haben alle Videos Untertitel (oder eine Textabschrift)?
  • Gibt die Überschriften-Struktur die Logik der Seite wieder? Sind diese korrekt mit H1bis H6 ausgezeichnet?
  • Erfüllen alle Kontraste den notwendigen Mindestkontrast von 4,5:1 bei normaler Schrift oder 3:1 bei großer Schrift?
  • Ist die Vergrößerung der Website mit Accessibility-Programmen wie „ZoomText“ oder im Browser mit „Zoom“ (Strg+) ohne Inhaltsverlust möglich?

2. Quickcheck: Bedienbarkeit

Bei einer barrierefreien Website müssen alle Bestandteile der BenutzerInnenschnittstelle und Navigation auch mit assistierender Technologie (z.B. spezielle Mäuse oder reiner Tastatursteuerung) bedienbar sein.

  • Ist die Seite tastatur bedienbar? Können alle Bedienelemente mit der Tastatur angesteuert und bedient werden?
    Test: Links oben auf die Seite klicken und mit der Tab-Taste durch die Seite navigieren.
  • Haben alle klickbaren Bedienelemente einen "Fokus"? Folgt die Fokusreihenfolge der Lesereihenfolge?
    Test: Links oben auf die Seite klicken und mit der Tab-Taste durch die Seite navigieren - wenn möglich in verschiedenen Browsern. Prüfen, ob ein sichtbarer Rahmen über die Inhalte gelegt wird, wenn diese angesteuert werden und ob die Reihenfolge der Lesereihenfolge entspricht

Weitere Kriterien der Bedienbarkeit, die im besten Fall erfüllt sein sollten:

  • Sprunglinks: Gibt es die Möglichkeit, Navigationsbereiche zu überspringen und so beispielsweise direkt zum Hauptinhalt der Seite springen zu können?
  • Accesskeys: Gibt es Shortcuts, mit denen aktive Elemente von einer beliebigen Stelle auf einer Webseite fokussiert und/oder aktiviert werden können?
  • Breadcrumbs: Gibt es eine Orientierung innerhalb eines Webauftritts, also Angabe der Position, die die Seite in einem größeren inhaltlichen Kontext stellt?
  • Sitemap: Gibt es eine Übersichtsseite, die die einzelnen Unterseiten der Website hierarchisch strukturiert auflistet?
  • Gibt es eine Suchfunktion?

3. Verständlichkeit

Die Website muss so gestaltet sein, dass BenutzerInnen in der Lage sind, sowohl die Informationen als auch die Bedienung einfach zu verstehen.

Dies beinhaltet beispielsweise:

  • Sind Inhalte lesbar und verständlich?
  • Sprachauszeichnungen: Ist die Sprache der Seite ausgezeichnet?
  • Vorhersehbarkeit: Ist die Seite logisch und vorhersehbar strukturiert? Ist die Navigation konsistent?
  • Formulare: Gibt es eine Fehlererkennung bei Formularen? Sind Labels und Beschriftungen der Formularfelder ausreichend?

4. Robustheit

Sind Inhalte robust genug, damit sie zuverlässig von einer großen Anzahl an BenutzerInnen und assistiven Technologien richtig interpretiert werden?

Um einen Einblick in die Robustheit der Website zu bekommen und die Barrierefreiheit zu optimieren, empfehlen wir Markup Validation Service von W3C auf die zu prüfende Website anzuwenden, und Fehlerminimierung sicherzustellen.

Portrait von Rhea Göschl, Braillezeile, drei Personen im Gespräch

Unsere ExpertInnen

Wir verfügen über viele ExpertInnen mit Behinderungen in unserem Team und Netzwerk, die Sie fachgerecht unterstützen und Ihre Angebote testen können. Unsere Expertise auf diesem Gebiet erweitern wir laufend mit Ausbildungen (z.B.: “Certified WebAccessibility Expert” der Wirtschaftskammer Österreich) und in Fachgesprächen mit ExpertInnengruppen (z.B.: “accessible media“, A-Tag, Expert Round Table mit Microsoft) uvm.

Ihr Weg zu verbesserter Barrierefreiheit Je nach den Anforderungen Ihres Unternehmens, lassen sich die einzelnen Angebote flexibel kombinieren. Kontaktieren Sie unsere BeraterInnen und vereinbaren Sie ein unverbindliches Gespräch:

Rhea-Maria Göschl kontaktieren