Trotz Krise: „Diversity & Inclusion“ gewinnt in österreichischen Geschäftsleitungen an Bedeutung!

27. April 2021

Wie wirkt sich die aktuelle soziale und wirtschaftliche Krise auf den Themenbereich „Diversity & Inclusion“ in Unternehmen aus? Wir haben bei den Geschäftsleitungen von drei unterschiedlichen Unternehmen nachgefragt: Dem Familienunternehmen Markas, dem Konzern Energie Steiermark und dem Multinational Accenture.

Bei einem einstündigen CEO Diversity Talk in Kooperation mit unserem Partner Future of Work gingen wir mit drei Mitgliedsunternehmen des myAbility Wirtschaftsforums unter anderem der Grundsatzfrage nach, ob Diversität und Inklusion Chef-Sache ist, warum und wie sich Unternehmen generell dem Thema widmen und ob die weltweite Pandemie etwas an ihrem Zugang geändert hat.

Die GeschäftsleiterInnen Gerlinde Tröstl (Markas), Martin Graf (Energie Steiermark) und Günther Weberndorfer (Accenture) gaben Einblicke in ihre Unternehmen und sprachen offen und sehr persönlich darüber, welcher Diversitätsdimension sie selbst angehören.

Den gesamten einstündigen CEO Diversity Talk (untertitelt) können Sie hier nachsehen:

Beschäftigen sich Unternehmen bewusst mit dem Diversitätsthema, um ihre soziale Verantwortung wahrzunehmen, um der Gesetzgebung und politischen Vorgaben gerecht zu werden, oder weil sie wirtschaftliches Potenzial erkennen? Oder geht es nur darum gesellschaftlichen Trends zu folgen und positive mediale Aufmerksamkeit zu erhalten? In einer einleitenden Umfrage unter den 120 teilnehmenden HR-Führungskräften gab die Mehrheit (44 %) an, dass CSR die treibende Kraft wäre, gefolgt vom Business Case Diversity (27 %).

Gerlinde Tröstl leitet mit Markas ein Facility-Service-Unternehmen mit 2.200 MitarbeiterInnen aus über 70 Nationen und bestätigte die Ergebnisse aus der Publikumsumfrage: Natürlich habe man im Top-Management auch wirtschaftliche Interessen, aber im Fokus einer Unternehmung sollte immer der Mensch stehen:

Ich sehe es als gesellschaftliche Verantwortung für Unternehmen in unserer Größe dem Thema Inklusion auf der strategischen und Geschäftsführungs-Ebene Raum zu geben.
Gerlinde Tröstl, Geschäftsleiterin Markas Österreich

Als Vorstandsmitglied der Energie Steiermark verdeutlichte Martin Graf, dass die gesellschaftspolitische Verantwortung der große Motivator sei, der immer wieder antreibe. Er erwähnte aber auch, dass die Gesetzeskonformität für ein Unternehmen, das im Eigentum des Landes Steiermark ist, auch Relevanz habe. Besonders begeistere ihn die Innovationskraft diverser Teams:

Durch diverse Teams, durch Vielfalt, wird mehr gestaltet – daher sehen wir das Thema sehr positiv und auch mit wirtschaftlichen Vorteilen verbunden.
Martin Graf, Vorstandsmitglied Energie Steiermark

Der Managing Partner von Accenture, Günther Weberndorfer, brachte die internationale Perspektive mit in die Diskussionsrunde. Neben einer inklusiven Unternehmenskultur, die für ein globales Unternehmen eine Grundvoraussetzung für Erfolg sei, geht es seiner Meinung nach vor allem darum, so viele unterschiedliche Blickwinkel in das Unternehmen wie nur möglich zu bekommen. Als Unternehmensberatung sei das essenziell, um überhaupt kreative Lösungen für die komplexen Herausforderungen unserer Zeit schaffen zu können.

D&I ist eine Aufgabe des Leadership

So unterschiedlich die Unternehmensstrukturen der Speaker auch waren, so einig waren sie sich bei der Frage der Verantwortlichkeit. Die Personalabteilungen spielen eine wichtige Rolle, aber um Inklusion auch wirklich zu leben braucht es vor allem die Führungskräfte. Für Günther Weberndorfer war klar, dass Diversity-Fragen in erster Linie beim Leadership angesiedelt sein sollen, da nur durch ein Vorleben eine inklusive Unternehmenskultur entstehen kann:

Die Kultur ist das Herz. Ich möchte hier einen Platz schaffen, wo sich alle wohl fühlen und wir gemeinsam Größeres leisten können.
Günther Weberndorfer, Managing Partner Accenture

Da Kennzahlen eine wichtige Rolle in der Führungsarbeit spielen, haben auch alle drei vertretenen Unternehmen Ziele und KPI‘s für den Fortschritt im D&I-Bereich definiert. Bei der Umsetzung auf operativer Ebene geht es allerdings nicht um Zahlen, sondern vielmehr um eine Änderung des Mindsets, den Abbau von Vorurteilen und das Aufräumen mit Mythen.

Beim Thema der Best Practices herrschte Uneinigkeit am Podium. Beim Familienunternehmen suche man nicht nach Best Practices, sondern ist davon überzeugt, dass diese bei guter D&I-Arbeit von selbst entstehen. Im Gegensatz dazu wird im Beratungsunternehmen mit einer Belegschaft von über einer halben Million Menschen auf Role Modelling und Storytelling gesetzt, um Veränderungsprozesse anzustoßen. Der regionale Energiedienstleister möchte vor allem die Leistung diverser Teams vor den Vorhang holen, um die Vorteile von D&I sichtbarer zu machen.

Corona verschiebt Wertigkeiten

Aus wirtschaftlicher Sicht waren die drei Unternehmen weniger von der Corona-Krise betroffen. Die Art und Weise der Arbeit hat sich allerdings massiv verändert - mit einem gemeinsamen positiven Outcome: Der Mensch rückte wieder verstärkt ins Zentrum.

Während sich Frau Tröstl vor allem über die Steigerung des Ansehens Ihrer MitarbeiterInnen im Reinigungsbereich freut, berichtete Herr Graf, dass es durch die wirtschaftliche Stabilität gelungen sei, viele der D&I-Programme erfolgreich zu digitalisieren und auszubauen. Herr Weberndorfer verdeutlichte, wie offensichtlich es durch die neue Arbeitsgestaltung wurde, zukünftig noch achtsamer zu sein und auf die individuelle Situation von MitarbeiterInnen und Teams einzugehen.

Diese Beispiele untermauerten das Ergebnis er letzten Publikumsumfrage. Hier gab die Mehrheit der TeilnehmerInnen an, dass Diversity & Inclusion durch die Pandemie sogar an Bedeutung in Unternehmen gewonnen hat.

Diese Auffassung teilen die Veranstalter myAbility und Future of Work und werden daher bei weiteren Veranstaltungen verstärkt auf Inklusion und Chancengerechtigkeit in unserer Arbeitswelt hinweisen:

Mit freundlicher Unterstützung unserer Partnerunternehmen:

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Eventpartner:

Logo von Markas, Accenture und Energie Steiermark

Kooperationspartner:

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