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(Nicht) sichtbare Behinderungen: Offenheit sicher ermöglichen

Veranstaltungsdatum
18.06.2026, 14:00 - 15:30

Wie Unternehmen Vertrauen stärken, Unsicherheiten abbauen und Unterstützung bei nicht sichtbaren Behinderungen sicher ansprechbar machen.

Das myAbility Wirtschaftsforum schafft Raum für Wissensaustausch und Vernetzung zu Inklusion, Wirtschaft und Arbeitswelten. Im Webinar „Offenheit ermöglichen: Sicher als Unternehmen mit (nicht) sichtbaren Behinderungen umgehen“ kamen Unternehmensperspektiven, fachliche Einordnung und persönliche Erfahrungen zusammen. 

Susanne Haberl (VERBUND) und Sigrid Reger (PwC Deutschland) teilten Einblicke aus der Unternehmenspraxis. Michael Zakall (myAbility) rahmte das Thema aus Sicht von Beratung, Talent Management und Inclusion Coaching ein. Die persönlichen Erfahrungen von Susanne Haberl und Michael Zakall mit chronischen Erkrankungen machten zusätzlich deutlich, wie wichtig Selbstbestimmung, Vertrauen und sichere Rahmenbedingungen im Arbeitskontext sind. 

Der gemeinsame Blick aus Unternehmenspraxis, Beratung und eigener Erfahrung zeigte: Offenheit entsteht nicht durch Erwartungen. Sie entsteht dort, wo Unternehmen Bedingungen schaffen, in denen Mitarbeitende mit nicht sichtbaren Behinderungen selbstbestimmt und ohne Angst vor Nachteilen über ihre Behinderungen sprechen können. 

Offenheit braucht Freiwilligkeit

Die Entscheidung, ob, wann und wie viel eine Person über eine Behinderung oder chronische Erkrankung spricht, ist individuell. Gerade bei nicht sichtbaren Behinderungen kann diese Entscheidung mit vielen Unsicherheiten verbunden sein. Manche Menschen haben schlechte Erfahrungen gemacht, andere sehen keinen klaren Vorteil darin, ihre Situation am Arbeitsplatz anzusprechen. Wieder andere möchten nicht als „kompliziert“ wahrgenommen werden. 

Für Unternehmen bedeutet das: Der Fokus sollte nicht darauf liegen, Offenheit zu erwarten. Wichtiger ist es, Bedarfe ansprechbar zu machen. Eine hilfreiche Frage kann sein: Was brauchst du, damit du gut arbeiten kannst? Sie richtet den Blick weg von Diagnosen hin zu Arbeitsbedingungen und möglichen Anpassungen. 
 

Was unternehmen konkret tun können 

  • Unterstützungsmöglichkeiten klar kommunizieren 
  • Vertrauliche Anlaufstellen sichtbar machen 
  • Führungskräfte auf sensible Gespräche vorbereiten 
     

Weiterführende Impulse

Vertrauen wächst durch positive Erfahrungen

In der Webinar-Umfrage gaben 51 Prozent der Teilnehmer:innen an, dass fehlendes Vertrauen der Hauptgrund ist, warum in Unternehmen noch wenig über nicht sichtbare Behinderungen gesprochen wird. 

Das zeigt: Vertrauen entsteht nicht durch eine einzelne Botschaft. Wer bereits schlechte Erfahrungen gemacht hat, braucht wiederholte positive Erfahrungen, um Unterstützung sicher ansprechen zu können. Entscheidend ist, dass Anliegen ernst genommen werden, Gespräche vertraulich bleiben und Führungskräfte respektvoll reagieren. 

Person mit schulterlangen braunen Haaren und Brille steht vor einer Glastüre mit einem V darauf. Sie trägt eine schwarze Bluse und einen roten Blazer.

Susanne Haberl, VERBUND: Wenn man viele schlechte Erfahrungen gemacht hat, reicht eine positive Erfahrung oft nicht aus. Aber ein offener Umgang kann viel bewirken.

Gerade Führungskräfte prägen, ob Vertrauen im Alltag wachsen kann. Sie müssen nicht auf jede Frage sofort die perfekte Antwort haben. Wichtig ist, dass sie zuhören, Unsicherheit aushalten und gemeinsam mit Mitarbeitenden passende Lösungen ermöglichen. 
 

Was Unternehmen konkret tun können 

  • Führungskräfte für sensible Gespräche stärken  
  • Vertrauliche Ansprechpersonen sichtbar machen  
  • Psychologische Sicherheit im Team fördern  
  • Anliegen ernst nehmen und wertfrei reagieren  
  • Deutlich machen, dass Unterstützung Teil guter Arbeitsbedingungen ist  

 

 Weiterführende Impulse 

  • Mehr dazu, wie Führungskräfte Vertrauen und psychologische Sicherheit stärken können, finden Sie in unserem Artikel zu inklusiver Führung
  • Unsere Inclusive Leadership Trainings unterstützen Führungskräfte dabei, inklusive Führung im Arbeitsalltag konkreter umzusetzen. 
  • Bei individuellen Situationen kann das Inclusion Coaching einen vertraulichen Rahmen bieten, um Fragen zu reflektieren und passende nächste Schritte zu entwickeln. 

Wissen schafft Sicherheit

Nicht sichtbare Behinderungen können im Arbeitskontext Unsicherheit auslösen, weil Bedürfnisse, Barrieren oder Belastungen von außen nicht erkennbar sind. Genau deshalb braucht es Wissen, Austausch und Beispiele, die Orientierung geben. Sigrid Reger teilte im Webinar Einblicke in die Praxis von PwC Deutschland. Mit Formaten wie der virtuellen Veranstaltungsreihe „InvisAbilities“ werden nicht sichtbare Erkrankungen sichtbar gemacht und unterschiedliche Erfahrungen in den Mittelpunkt gestellt.

Person mit brünettem Haar und Brille steht vor einem mit Pflanzen bewachsenen Hintergrund. Sie trägt die Haare zusammengebunden und hat ein schwarzes Kostüm an.

Sigrid Reger, PwC Deutschland: Gerade Dinge, die unsichtbar sind, machen unsicher. Themen auszusprechen und Unsichtbares sichtbar zu machen, hilft.

Auch bei VERBUND wurde sichtbar, wie interne Kommunikation Wissen schaffen kann. Ein Beispiel war eine Kollegin, die im Intranet über ihre Erkrankung schrieb und anschließend intern einen Vortrag hielt. 
 

Was Unternehmen konkret tun können 

  • Wissen zu sichtbaren und nicht sichtbaren Behinderungen regelmäßig vermitteln  
  • Freiwillige Erfahrungsberichte ermöglichen  
  • Interne Webcasts, Vorträge oder Austauschformate anbieten  
  • Bestehende Unterstützungsangebote sichtbar machen  
  • Externe Expertise und Netzwerke einbinden 
     

Weiterführende Impulse 

  • Praxisnaher Austausch: Wer Themen wie nicht sichtbare Behinderungen, Barrierefreiheit und inklusive Unternehmenskultur gemeinsam mit anderen Unternehmen weiterdenken möchte, findet beim DisAbility Confidence Day Raum für Austausch, Praxisbeispiele und konkrete nächste Schritte. 

Ihre Perspektive ist gefragt! 

Im Rahmen des Aktionsbündnisses „Arbeiten mit chronischen Erkrankungen und nicht sichtbaren Behinderungen“ möchten wir gemeinsam mit dem UnternehmensForum und Das Demographie Netzwerk Erfahrungen aus Unternehmen sammeln. Ziel ist es, besser zu verstehen, welche Strukturen in der Praxis hilfreich sind und wo Unternehmen weitere Lösungen brauchen. Die anonyme Unternehmensbefragung dauert ca. 10 bis 15 Minuten. Ihre Perspektive hilft dabei, die Sicht der Wirtschaft in den Austausch mit Politik und weiteren Akteur:innen zu bringen. 

Zur Unternehmensbefragung

Fazit

Das Webinar hat gezeigt: Offenheit kann nicht eingefordert werden. Unternehmen können aber Bedingungen schaffen, in denen Mitarbeitende Unterstützung selbstbestimmt und ohne Angst vor Nachteilen ansprechen können. 

Dafür braucht es Wissen, klare Kommunikation, psychologische Sicherheit und wiederholte gute Erfahrungen im Arbeitsalltag. Führungskräfte müssen nicht auf jede Frage sofort die perfekte Antwort haben. Entscheidend ist, dass sie zuhören, Unsicherheit aushalten und gemeinsam mit Mitarbeitenden passende Lösungen möglich machen. 

HR- und Diversity-Verantwortliche sind dabei zentrale Schnittstellen: Sie schaffen Orientierung, machen Angebote sichtbar und unterstützen Führungskräfte dabei, auch in sensiblen Situationen handlungsfähig zu bleiben. 

Über das myAbility Wirtschaftsforum

Als größtes B2B-Netzwerk für eine inklusive Wirtschaft im DACH-Raum teilt das myAbility Wirtschaftsforum Wissen und Best Practices aus Mitgliedsunternehmen und unterstützt andere Organisationen dabei, Arbeit und Wirtschaft barrierefreier zu gestalten. Mit Online-Webinaren zu den verschiedensten Themen bietet das Wirtschaftsforum Unternehmen mehrmals im Jahr die Möglichkeit, von fachlichen Impulsen, persönlichen Erfahrungen von Menschen mit Behinderungen und Einblicken in den Alltag hochkarätiger Unternehmen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zu lernen.

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