Vielfalt gezielt managen: Was Inclusive Leadership in Unternehmen bewegt

Veranstaltungsdatum
26.11.2025, 14:00 - 15:30

Vielfalt existiert in vielen Unternehmen. Ob sie zur Stärke wird, hängt entscheidend davon ab, wie Führung im Unternehmen gelebt wird.

Im myAbility Wirtschaftsforum tauschen sich Mitgliedsunternehmen regelmäßig dazu aus, wie sie Inklusion in der Wirtschaft voranbringen können. Im Rahmen des Webinars zum Thema Inclusive Leadership diskutierten Jason Netos (Global DE&I Business Partner Oncology and Corporate Functions, Takeda), Prof. Nora Bilz (Head of German Office, myAbility) und Detlev Blenk (Country Equality, Diversity and Inclusion Manager, IKEA Deutschland) gemeinsam mit Katharina Thill (DisAbility Inclusion Learning Expert, myAbility) wie Vielfalt durch inklusive Führung bewusst gemanaged werden kann.  

Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis, dass inklusive Führung keine Zusatzaufgabe, sondern Bestandteil guter, moderner Führung ist. Sie entscheidet darüber, ob Unternehmen das Potenzial von Vielfalt tatsächlich voll nutzen können. 

Inklusive Führung bedeutet Haltung, nicht Expert:innenwissen

Inklusive Führung heißt nicht, dass Führungskräfte Inklusionsexpert:innen sein müssen. Entscheidend ist die Haltung, zuzuhören, nachzufragen, aufmerksam zu sein und den Menschen hinter einem Thema zu sehen, und das Wissen, wie sich diese Haltung in konkretes Verhalten und Strukturen übersetzen lässt. 

Genau hier setzt das myAbility Leadership-Modell an: Es unterstützt Unternehmen dabei inklusive Führung ganzheitlich und systemisch umzusetzen. Es lenkt den Blick auf die unterschiedlichen Ebenen, in denen Führung erlebbar wird und macht damit sichtbar, dass inklusive Führung bei der Selbstführung der Führungskraft beginnt. Von dort wird die Haltung an Mitarbeitende weitergegeben, prägt die Zusammenarbeit im Team und mündet schließlich in den generellen Strukturen und Prozessen einer Organisation.

Wenn individuelles Verhalten, Teamkultur und Organisation zusammenspielen, kann ein inklusives Umfeld entstehen, in dem unterschiedliche Perspektiven selbstverständlich werden. 

 

Einblicke: Inclusive Leadership bei Takeda, IKEA Deutschland und myAbility

Im Webinar haben Jason Netos (Takeda), Prof. Nora Bilz (myAbility) und Detlev Blenk (IKEA Deutschland) sehr konkret beschrieben, wie sie ihren Führungsalltag gestalten. Daraus lassen sich praktische Ansatzpunkte für inklusive Führung ableiten. 
 

Rollenvorbilder 

Detlev Blenk betonte, wie wichtig sichtbare Vorbilder sind, die signalisieren, dass unterschiedliche Voraussetzungen kein Hindernis für Erfolg sind.  

  • Detlev Blenk (he/him), Anfang 40, kurzes brünettes Haar, trägt einen grauen Pulli, eine schwarze Jacke und lächelt in die Kamera

    Detlev Blenk (Country Equality, Diversity and Inclusion Manager, IKEA Deutschland): "Es ist wichtig - gerade in der obersten Führungsebene - Vorbilder zu haben, die frei und offen über ihre Behinderungen reden." 

Damit solche Vorbilder sichtbar werden können, braucht es Menschen, die ihre Behinderung oder chronische Erkrankung offenlegen und ein Umfeld, das sie dabei unterstützt. Die Offenlegung von Behinderungen oder chronischen Erkrankungen im Arbeitskontext kann strukturell unterstützt werden. So bietet IKEA Deutschland auch Mitarbeitenden mit einem Grad der Behinderung von 30 oder 40 zusätzliche Urlaubstage an. Außerdem betonte er die Relevanz von Berühungspunkten, um Unwissen und Unconscious Bias entgegenzuwirken.

 

Neugierde & Austausch fördern  

Jason Netos machte deutlich, dass es oft die kleinen Schritte im Führungsalltag sind, die viel bewirken. Dazu gehört, das Team zu priorisieren und bewusst Zeit zu schaffen, in der Menschen ins Gespräch kommen und sich zeigen können. Ernst gemeinte Neugierde ist für ihn die Basis, um Vertrauen im Team zu schaffen. Gleichzeitig betont er, dass auf dem Weg zu mehr Inklusion Fehler unvermeidlich sind:  

  • Jason Netos (he/him), Ende 20, kurzes dunkles Haar, trägt Schnurrbart, eine schwarze Jacke und ein hellblaues Hemd. Er hat die Arme verschränkt und schaut in die Kamera.

    Jason Netos (Global DE&I Business Partner Oncology and Corporate Functions, Takeda): "Wir sind auf einer Reise. Wir werden Fehler machen, daraus lernen und dann Schritt für Schritt besser werden."

Diese Fehlerfreundlichkeit senkt die Hürde, ins Tun zu kommen und neue Berührungspunkte zu schaffen. 

 

Verlässliches Führungsverhalten und Transparenz  

Prof. Nora Bilz hob hervor, dass verlässliches Verhalten entscheidend ist. Dazu gehören Offenheit, eingehaltene Zusagen, Ansprechbarkeit und klare Kommunikation. Vertrauen entsteht, wenn Mitarbeitende wissen, woran sie bei einer Führungskräft sind. Wichtig ist, Mitarbeitenden durch klare, ressourcenorientierte Fragen die Kontrolle darüber zu lassen, was sie preisgeben möchten. Außerdem teilt sie Erfahrungen aus ihrer eigenen Führungsrolle, auch kritische, um gemeinsames Lernen und mehr Sicherheit im Team zu fördern. 

Von der eigenen Führungsrolle in die Organisation

Die drei Panelist:innen unterstützen die Idee des myAbility Leadership-Modells: Inklusive Führung hört nicht bei der eigenen Haltung und dem konkreten Handeln von Führungskräften auf, sondern muss sich in der Zusammenarbeit im Team sowie in Strukturen und Prozessen des Unternehmens fortsetzen.  

So entsteht Schritt für Schritt ein Rahmen, in dem inklusive Führung nicht nur von einzelnen Personen abhängt, sondern Teil der Organisationskultur wird. 

Ins Tun kommen

Gemeinsam vertraten die Sprecher:innen den Standpunkt, dass es nicht den einen Hebel gibt, der aus einem Unternehmen ein inklusives Unternehmen macht. Entscheidend ist, überhaupt anzufangen und bestehende Handlungsspielräume zu nutzen, statt auf perfekte Rahmenbedingungen zu warten.

Wer die Perspektiven und Beispiele aus dem Webinar kompakt nachverfolgen möchte, findet nachfolgend die Aufzeichnung des Webinars. Darin vertiefen die Sprecher:innen unter anderem die Frage, wie sich Inclusive Leadership messen lässt und wie Unternehmen den Zusammenhang von sozialer Verantwortung und Business Case konkret nutzen können. 
 

Aufzeichnung auf Youtube ansehen

Mögliche Einstiegspunkte für Unternehmen

Für Unternehmen, die erste oder weitere Schritte in Richtung inklusiver Führung setzen möchten, wurden im Webinar unter anderem folgende Ansatzpunkte genannt: 

  • DisAbility Awareness Training, um Berührungspunkte zu schaffen und Wissen aufzubauen. 
  • Inclusvie Leadership Training, in denen Führungskräfte ihr eigenes Führungsverhalten reflektieren und konkrete Ansätze für den Alltag entwickeln können. 
  • Austausch mit anderen Unternehmen, um von Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolgen anderer zu lernen. 

Viele dieser Maßnahmen lassen sich gut in den bestehenden Arbeitsalltag integrieren und helfen Führungskräften, erste sichere Schritte zu setzen, ohne alles auf einmal verändern zu müssen. 

Wir unterstützen Sie gerne dabei! 
Schreiben Sie jetzt einfach ein E-Mail an: forum@myAbility.org

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